Das hat der Papst so nie gesagt

Das Formulieren von PR-Texten erachten manche als Kunst, andere würden eher weniger schmeichelhafte Adjektive finden um zum Beispiel eine Presseinformation zu beschreiben. Oft sind diese Texte marketingschwanger oder so verklausuliert, dass man die Lektüre mehrfach wiederholen muss um den eigentlichen Sinn des Textes zu verstehen.

 

Besonders in heiklen Situationen, in denen sich ein Unternehmen oder eine Organisation ja durchaus einmal befinden kann, ist bei der Formulierung von Pressetexten Fingerspitzengefühl gefragt. Schließlich möchte man sich nicht festnageln lassen, lieber vage bleiben. So kann man später, sollte der Text von der Presse negativ interpretiert werden, immer noch bedauern, dass man falsch verstanden wurde und das alles so ja gar nicht gemeint war …

 

Ein schönes Lehrstück hierzu bietet aktuell die Presseinformation des Vatikan zur „causa Tebartz-van Elst“. Die recht knapp gehaltene Erklärung des Papstes sagt auf den ersten Blick wenig aus, auf den zweiten umso mehr – und doch wieder fast nichts. Eine Kostprobe?

 

“Der Heilige Vater ist über die Lage in der Diözese Limburg zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden.“
Über welche Lage sprechen wir hier? Die finanzielle des Baus? Die rechtlich schwierigen Aussagen des Bischofs? Oder ist die Austrittswelle der Gläubigen gemeint? Und bedeutet umfassend auch detailliert? Viel interessanter: Wer hat informiert? Der Bischof selbst und nach seiner Objektivität? Hat der Papst die Bildzeitung gelesen? Oder haben ein paar Engel gepetzt?

 

Besonders schön auch:

„In der Diözese ist es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann.“

Es kam also zu einer Situation? Beim Vatikan liegt der Verdacht nahe, dass die Situation vom Himmel fiel – verursacht hat sie also niemand. Den Dienst nicht ausüben können kann fast alles bedeuten: Zudem noch „gegenwärtig“. Also später doch wieder? Und wenn ja, dann wo? Den bischöflichen Dienst nicht, einen anderen schon?

 

„… hält der Heilige Stuhl es für angeraten, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren.“

Also hat der Bischof offiziell einen Urlaubsantrag gestellt oder hat man es ihm nahe gelegt? Welcher Zeitraum ist „eine Zeit“ und bedeutet „außerhalb“ weit weg? Vielleicht in der Hölle …

 

Respekt! In dieser Meldung steht fast alles drin – und doch so rein gar nichts. Egal wie man versucht es zu deuten und unerheblich, ob der Bischof wieder auftaucht, stets kann erwidert werden: Das hat der Papst so nicht gesagt.

Ganz große PR.

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