10.12.2013

Die 10 ultimativ besten Überlegungen aller Zeiten zum Versand von Weihnachtskarten

Dezember. Mein Geburtsmonat. Aber ich mag diese vier Wochen am Jahresende nicht besonders. Zu viel los, stressig, alles noch schnell, schnell erledigen. Privat sowieso, aber auch geschäftlich.

 

Weihnachtskarten. Aussuchen, selber gestalten, bestellen, mit persönlicher Widmung versehen, ...

 

Warum versendet man eigentlich diese Weihnachtskarten an seine Geschäftskontakte? Hier eine Auswahl der 10 besten Gründe:

 

  1. Ich habe in einem Management-Ratgeber gelesen, dass Kontaktpflege das A und O für den Erfolg ist.
  2. Mehrere Geschäftsführer meiner Kunden baten um einen persönlichen Termin Anfang Januar. Ich glaube, das Budget muss neu verhandelt werden. Gute Laune könnte helfen – sagt der Management-Berater.
  3. Keine Karten zu versenden könnte als Zeichen für schlecht laufende Geschäfte ausgelegt werden. Dennoch suche ich lieber nach Schnäppchen.
  4. Statt Weihnachtskarten wollte ich den Gegenwert für eine soziale Einrichtung spenden. Zeige ich mich sozial, wollen meine Mitarbeiter mehr Gehalt oder Urlaub. Also Weihnachtskarten.
  5. Mein Steuerberater meldet einen Abschreibungsbedarf zum Jahresende an. Weihnachtsgeschenke halte ich aber für übertrieben – die müssen ja auch erst einmal verdient sein.
  6. Ich warte ab, von wem ich eine Karte bekomme, dann revanchiere ich mich. Wenn nicht zu Weihnachten, dann eben erst zum neuen Jahr. Ostern ginge auch noch. Weihnachten gibt es jedes Jahr, steht im Management-Ratgeber.
  7. Die Dame am Postschalter ist höchstens 28, hat ein umwerfendes Lächeln und gehört definitiv auf den Laufsteg und nicht hinter die Theke. Ich versende alle 45 Karten einzeln – an aufeinander folgenden Werktagen.
  8. Die Adressdatenbank benötigt eine Überprüfung auf Korrektheit der enthaltenen Anschriften. Rückläufer darf meine Assistentin während der Feiertage korrigieren. Seit Jahren schicke ich meinen besten Freunden Weihnachtskarten.
  9. Beim diesjährigen Weihnachtskarten-Online-Anbieter meiner Wahl waren 50 Stück die Mindestbestellmenge – ich habe aber nur 5 Freunde. Doof, dass ich Karten mit der Goldprägung „Merry Christmas 2013!“ bestellt habe.
  10. Dämliche Listen mit Schlagworten wie „Die 10 besten“, „ultimativ“ oder „aller Zeiten“ werden in Deutschland immer gern gelesen.
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25.10.2013

Das hat der Papst so nie gesagt

Das Formulieren von PR-Texten erachten manche als Kunst, andere würden eher weniger schmeichelhafte Adjektive finden um zum Beispiel eine Presseinformation zu beschreiben. Oft sind diese Texte marketingschwanger oder so verklausuliert, dass man die Lektüre mehrfach wiederholen muss um den eigentlichen Sinn des Textes zu verstehen.

 

Besonders in heiklen Situationen, in denen sich ein Unternehmen oder eine Organisation ja durchaus einmal befinden kann, ist bei der Formulierung von Pressetexten Fingerspitzengefühl gefragt. Schließlich möchte man sich nicht festnageln lassen, lieber vage bleiben. So kann man später, sollte der Text von der Presse negativ interpretiert werden, immer noch bedauern, dass man falsch verstanden wurde und das alles so ja gar nicht gemeint war ...

 

Ein schönes Lehrstück hierzu bietet aktuell die Presseinformation des Vatikan zur „causa Tebartz-van Elst“. Die recht knapp gehaltene Erklärung des Papstes sagt auf den ersten Blick wenig aus, auf den zweiten umso mehr - und doch wieder fast nichts. Eine Kostprobe?

 

"Der Heilige Vater ist über die Lage in der Diözese Limburg zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden.“
Über welche Lage sprechen wir hier? Die finanzielle des Baus? Die rechtlich schwierigen Aussagen des Bischofs? Oder ist die Austrittswelle der Gläubigen gemeint? Und bedeutet umfassend auch detailliert? Viel interessanter: Wer hat informiert? Der Bischof selbst und nach seiner Objektivität? Hat der Papst die Bildzeitung gelesen? Oder haben ein paar Engel gepetzt?

 

Besonders schön auch:

„In der Diözese ist es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann.“

Es kam also zu einer Situation? Beim Vatikan liegt der Verdacht nahe, dass die Situation vom Himmel fiel – verursacht hat sie also niemand. Den Dienst nicht ausüben können kann fast alles bedeuten: Zudem noch „gegenwärtig“. Also später doch wieder? Und wenn ja, dann wo? Den bischöflichen Dienst nicht, einen anderen schon?

 

„... hält der Heilige Stuhl es für angeraten, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren.“

Also hat der Bischof offiziell einen Urlaubsantrag gestellt oder hat man es ihm nahe gelegt? Welcher Zeitraum ist „eine Zeit“ und bedeutet „außerhalb“ weit weg? Vielleicht in der Hölle ...

 

Respekt! In dieser Meldung steht fast alles drin – und doch so rein gar nichts. Egal wie man versucht es zu deuten und unerheblich, ob der Bischof wieder auftaucht, stets kann erwidert werden: Das hat der Papst so nicht gesagt.

Ganz große PR.

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26.07.2013

Ganz GROSS!

Groß. Viele Dinge sollen gern groß sein. Denn das fällt auf, wirkt mächtig, macht Eindruck.

 

Der Unterschied zwischen Groß und Klein wird uns schon früh beigebracht und selbst kleine Kinder entscheiden sich gerne für die große Variante vom Eis, vom Spielzeug. Ganz groß!

 

In der Deutschen Sprache unterscheiden wir ebenfalls zwischen Groß und Klein – große Buchstaben, kleine Buchstaben. Man spricht auch von Versalien und Gemeinen. Da wären auch noch die Begriffe Majuskel und Minuskel – aber das würde nun wirklich zu weit führen.

 

Der Gebrauch von Groß- und Kleinbuchstaben erleichtert uns das Lesen von Texten und mitunter garantiert diese kleine Besonderheit unserer Sprache auch ein friedliches Miteinander. Schließlich macht es einen Unterschied, ob mir jemand schreibt „Der Junge sieht dir ungeheuer ähnlich“ oder „Der Junge sieht dir Ungeheuer ähnlich“.  Auch in der Zeitung bin ich froh um die Einhaltung der Regel, denn „Der Gefangene floh.“ mag mich eventuell mehr interessieren als „Der gefangene Floh.“

 

Der Großbuchstabe macht also den großen Unterschied. Wahrscheinlich erklärt das die Sehnsucht vieler Unternehmen, die Firma – also den Namen des Unternehmens – groß schreiben zu wollen. Sollte der gebräuchliche Unternehmensname aus einer Abkürzung bestehen, macht das auch durchaus Sinn: IBM, BMW oder EADS – hier handelt es sich um die Anfangsbuchstaben eines viel längeren Namens. Das verstehen wir so, das lesen wir so und gut ist es so auch. Denn wer will schon in der Zeitung die Badische Anilin- & Soda-Fabrik lesen?

 

Ist der Name allerdings anderen Ursprungs, lässt sich eine komplette Schreibweise in Großbuchstaben nur mit dem Wunsch nach Aufmerksamkeit erklären. Es mag auch Zeitgeist sein, denn vor gar nicht allzu langer Zeit war es zumindest in der IT-Branche hipp, den unternehmensNamen klein zu beginnen und einen Großbuchstaben halbwegs mittig zu platzieren. Ein Binnenmajuskel, wie man fachlich sagt. Das fällt auf, das unterscheidet. Wenn es zusätzlich wichtig und mächtig sein soll, dann doch gleich den UNTERNEHMENSNAMEN in dicken, fetten Lettern.

 

Design- und Layoutagenturen freuen sich bestimmt über solche Kunden. Wer weniger amüsiert ist, sind wir PRler – und noch weniger die Redakteure. Dann nämlich, wenn diese Schreibweisen auch in Presseinformationen beibehalten werden sollen.

zum einen, hindern siE den lesEfluss, was wiedeRUM das VERSTÄNDNIS des texteS negaTiv beeinfluSSt. Und mit einer Presseinformation wollen wir Inhalte transportieren – nicht auf die Kreativität des Corporate Designs hinweisen.

Zum anderen wird der Redakteur diese ausgefallenen Schreibweisen bei seiner Berichterstattung sicher nicht übernehmen. Ebenfalls aus oben genannten Gründen.

 

Bei Presseinformationen wird Kreativität vom Inhalt gefordert – die Form unterliegt recht nüchternen Regeln und Gepflogenheiten. Deren Nichteinhaltung wird tendenziell mit Nichtbeachtung bestraft. Es gilt also einmal mehr: Size doesn’t matter!

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26.04.2013

Boah, das dauert!

Wenn man sich zu Öffentlichkeitsarbeit entschließt, dann sollten die Aktivitäten regelmäßig stattfinden. Wer in der breiten Masse der Unternehmen seinen Finger nur ab und zu mal nach oben streckt, könnte leicht übersehen werden. Lieber zum Beispiel eine Presseinformation alle vier Wochen, Interviews mit Redakteuren, als in Monatsabständen ein Projekt. Die simple Psychologie dahinter habe ich an anderer Stelle hier schon beschrieben.

 

Darum quäle ich meine Kunden auch gerne, wiese darauf hin, dass es mal wieder Zeit wäre für eine Meldung, mache Vorschläge für Themen oder nerve mit ständigen Nachfragen zu neuen Kunden, neuen Produkten, Personalien (wenn gar nichts mehr geht), Firmenjubiläen (wenn noch weniger geht) oder worüber man eben sonst noch so berichten könnte. „R-e-g-e-l-m-ä-ß-i-g“ wiederhole ich ständig und bin mir dabei durchaus bewusst, dass am anderen Ende der Leitung der Kunde sicher mit den Augen rollt.

 

Ganz clevere Unternehmen wehren sich irgendwann, beraumen ein Treffen an (in Wahrheit ein „Meeting“, aber ich wollte ja weniger Anglizismen verwenden) und dann werde ich mit berichtenswerten Themen überschüttet. Ich könne ja „auf Halde“ schreiben, also erst all die Pressemitteilungen verfassen und dann nach und nach veröffentlichen. In der Praxis klappt das dann leider doch nicht, weil sich in der Zwischenzeit einfach zu viel verändert hat.

 

Ergibt sich über Wochen dann wirklich mal keine Neuigkeit, fehlt es mir oft am Verständnis – das gebe ich zu. Irgendetwas ist doch immer. Und schreiben kann man über fast alles. In fünf Wochen muss man doch einmal zehn Minuten über PR nachdenken können? Was kann denn sonst noch so wichtig sein, dass man die Regelmäßigkeit völlig aus den Augen verliert? Die Öffentlichkeit wartet doch! Die Journalisten dürsten nach News (ha, doch ein Anglizismus) um ihre Seiten zu füllen und ausgerechnet meine Kunden sperren sich nun?

 

Übrigens: Der letzte Blog-Beitrag hier war vor ... ja, vor vier Wochen! Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, jede Woche zu schreiben. Was bitte konnte so wichtig sein, dass ich das nicht einhalten konnte? In den letzten 31 Tagen wäre es ja wohl drin gewesen, einmal an den Blog zu denken. Als ob es nichts gäbe, worüber man schreiben könnte! Das hat aber jetzt gedauert!

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26.03.2013

Pro PI

Die Presseinformation (PI) spielt innerhalb der PR-Aktivitäten eine wichtige Rolle. Sicher, heute wird das oft angezweifelt – insbesondere von den Social Media-Fans. Die meinen, es braucht keine PIs mehr, wo man doch per Twitter, Facebook und Co alle relevanten Informationen verbreiten kann.

 

Ich denke, dass eine Presseinformation mehr kann, als nur informieren: sie ist auch psychologisch wichtig.

Davon ausgehend, dass der Journalist auch nur ein Mensch ist (was ich hier an anderer Stelle schon erklärt habe), liest er ebenso wenig wie wir jeden Text komplett. Wie denn auch bei der täglichen Flut an Tweets und Posts? Aber auch uns geht es doch so, dass wir on- und offline nicht jede Meldung bis zum Ende lesen und dennoch bleibt etwas im Gedächtnis hängen. Eine Überschrift, der Teaser, eine Bildunterschrift, eine Zusammenfassung, ein Zitat – ein diffuser Eindruck, worum es in dem Artikel ging. Lesen wir mehr als eine Zeitung, stöbern wir durch eine Vielzahl von Online-Angeboten, dann verfestigt sich so ein kurzer, oberflächlicher Eindruck: „Das Gesicht von diesem Dr. Drückeferkel ist momentan auch überall zu sehen ...“ oder „BMW scheint richtig Kohle zu machen ...“ oder „Der Draghi muss ja nun irgendwie der wichtigste Mann in der EU sein ...“. Auf Nachfrage könnte man wohl gar nicht so genau sagen, worauf sich so eine Aussage stützt. Quasi gefährliches Halbwissen.

 

Interessanterweise funktioniert das positiv wie negativ. Überfliegen wir immer wieder eher schlechte Schlagzeilen zum Beispiel zu einem Unternehmen, nehmen wir an, es gehe der Firma auch wirklich mies. Dabei könnten die Unternehmenszahlen hervorragend sein, aber ein kleiner Skandal um veruntreute Firmengelder lässt das in den Hintergrund treten. Eine großangelegte Rückrufaktion eines Automobilherstellers führt gerne zu Spekulationen über die gesamte Qualität, die Fertigungsprozesse und somit vielleicht zum nahenden Ende.

 

Schön für uns PR-Berater, dass die PI die positiven Effekte dieses „Nachrichten-Überfliegens“ nutzen kann. Regelmäßige Meldungen hinterlassen den Eindruck, dass ein Unternehmen etwas zu sagen hat. Und wenn es nicht gerade schlechte Finanzzahlen oder die bereits drohende Insolvenz ist, über die das Unternehmen berichtet, bleibt in den meisten Köpfen hängen: „Über die habe ich in letzter Zeit viel gelesen, dem Laden geht es gut.“ Worüber man im Detail gelesen hat, ist erst in zweiter Instanz von Belang.

 

Die gute alte Presseinformation – ein echter Überflieger.

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08.03.2013

Klar overperformed

Man möchte es ja eigentlich nicht zugeben, aber knapp 20 Jahre PR in der IT-Branche hinterlassen Spuren. Sprachliche Spuren. Während ich mich ab und zu darüber amüsiere, dass meine Frau berufsbedingt Pflanzen fast nur mit ihren botanischen Namen anspricht, mache ich es doch kaum besser – das muss ich hier mal klar admitten.

 

Wie sehr sich englischsprachige Begriffe in den beruflichen Alltag geschlichen haben, fällt auf, wenn man in einem anderen Umfeld schnuppert. So betreue ich seit einiger Zeit ein Unternehmen aus der Bau-/Maschinenbau-Branche. Da gibt es doch tatsächlich Menschen, die sich noch zu einem „Treffen“ verabreden. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, ob die Diskussionsinhalte bei solch einem Treffen ähnlich derer eines Meetings sind. Aber solange es vorab eine genaue Timeline gab und man mich per Mail darüber informierte, was die zu besprechenden key-topics sein würden – ging ich auch mal zu einem dieser Treffen.

 

Überraschenderweise war es dann doch irgendwie ein Meeting oder vielleicht sogar ein Get-Together. Naja, genau genommen: Das „Treffen“ fand zu Jahresbeginn statt, also würde ich es dann doch eher ein Kick-off nennen. Wie auch immer, die Timeline war klar und ich hatte meinen Content vorbereitet, den ich zu diesem Meeting beitragen (nein, nicht contributen) wollte.
Etwas verstört hatte mich die Vorstellung der einzelnen Teilnehmer und da die rasch ausgetauschten business cards tatsächlich nur deutschsprachig bedruckt waren, war schnelles Übersetzen im Kopf gefragt: Den MD – Entschuldigung, den Geschäftsführer -kannte ich schon, ebenso seine PA. Finance war mir neu, aber sympathisch, was auch für den PM zutraf, weniger aber auf legal. Der PM ergriff als erster das Wort und stellte seine Zeitplanung für die bevorstehende Produkteinführung (meine Güte, wie old school) vor. Plötzlich wusste ich, wie sich Simultan-Dolmetscher fühlen müssen, denn ich konnte nur mit Mühe dem Produktmanager zuhören und gleichzeitig notes nehmen zum Launchplan.

 

Als alle Gesichter sich erwartungsfroh zu mir drehten war klar, dass man nun einen Masterplan für die PR-activities von mir erwartete.
Da hätte ich aber erst noch ein paar Fragen vorab. Zum Beispiel, für welche user das neue tool besonders interessant sei, worin genau der benefit liege, ob man jetzt schon etwas zum ROI sagen könne und ob das vorgeschlagene pricing denn auch den support beinhalte. Das sind für mich wichtige key-facts, denn schließlich muss ich beim press release auf die audience eingehen. Existieren eventuell schon user, die bereits mit einer Beta gearbeitet haben? Wären diese einverstanden mit einer case-study? Und sollen wir neben den relevanten Journalisten auch an andere key-influencer denken? Vielleicht ein paar one-to-ones arrangieren? Hier würde ich dann aber gerne legal (egal wie unsympathisch) mit einbeziehen, denn bei solch einem neuen device darf sich der MD nicht vertun und sollte eine klare guidance erhalten, was er sagen darf und was nicht.

Große Augen hier, betretenes Schweigen dort. Ich fürchte, ich hatte overperformed.

 

Nach einem stressigen Tag fahre ich wieder nach Hause und werde von strahlenden Kindern empfangen. Mein großer Sohn (5) erzählt mir dann auch gleich, was er heute mit seinem besten Freund gespielt habe: „Schtarwosseklowos!“

 

Verstanden?

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25.02.2013

Die Zukunft lohnt sich nicht!

Vergessen Sie die Zukunft. Da muss keiner mehr hin, denn dort erwartet uns nichts mehr. Zumindest nichts, das besser wäre als das, was wir schon erlebt haben. Die Musik wird nicht besser sein, das Wetter auch nicht. Filme? Nein, Filme sind dann auch nicht besser. Auch der Fußball wird nicht besser. Gar nichts.

 

In meinen ganz persönlichen Top-Ten der Ausdrücke, über die sich scheinbar niemand Gedanken macht, steht eine Formulierung, die seit Jahren geradezu inflationär benutzt wird: aller Zeiten. Bitte, was soll das heißen? Also, ich weiß zwar, was Werber, TV-Schaffende und Redakteure verschiedenster Medien damit zum Ausdruck bringen wollen, wenn Sie behaupten, etwas sei das tollste, größte, beste aller Zeiten. Aber mal ehrlich? Was für ein Unfug!

 

Nicht erst in der Schule haben wir gelernt, dass es eine Gegenwart gibt, eine Vergangenheit und eine Zukunft. Über die beiden ersten Zeitangaben lassen sich recht verlässliche Aussagen treffen – mit der Zukunft wird es dann schon schwieriger. Liegt wohl daran, dass wir nicht in die Zukunft blicken können, gar nicht wissen, was uns da noch alles erwartet.

Grammatikalisch wird es dann sogar noch viel schlimmer, denn dort soll es gleich zwei Formen der Zukunft geben: Futur I und Futur II.

 

Wie kann man nun also behaupten, dass ein Lied der beste Song aller Zeiten sei? Die erfolgreichsten Filme aller Zeiten (dazu gibt es sogar eine gleichnamige Website)? Der beste FCB aller Zeiten (Felix Magath)? Sogar Time Magazin („Teuerste Waffe aller Zeiten“) und die Welt („Das sind die besten Alben aller Zeiten“) haben keine Skrupel, diesen sinnlosen Umgang mit Sprache zu fördern. Es gäbe noch zahllose weitere Beispiele.

 

Entschuldigend wird teilweise angeführt, dass lediglich „von den Anfängen an bis heute“ damit gemeint sei. Könnte man dies aber nicht wunderbar mit dem Wort „bisher“ umschreiben?

 

Mir stellt sich die Frage, warum ist das so? Sind wir in einer Welt, die ständig auf der Suche nach Superlativen ist, bereits am Ende unserer sprachlichen Fantasie? Reicht es heute nicht mehr aus, ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Gefühl oder einen Umstand gut oder sehr gut zu finden? Dufte, knorke ... okay, das scheint vorbei zu sein. Entgeil, porno , hammer sind auch nicht mehr die Adjektive, die auszudrücken vermögen, wie toll wir etwas finden.

 

Offenbar macht uns die Begeisterung bei manchen Dingen sprachlos. Gleich darauf sind wir zeitlos und werfen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einen Sprachtopf. Eine Art Maßlosigkeit aller Zeiten.

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19.02.2013

Warum mir der Brüderle nicht hilft

Pressearbeit halten viele Menschen für überaus interessant. Die Vorstellung von investigativem Journalismus, von Enthüllungen, von der Nähe zu den Mächtigen in Politik und Wirtschaft ... Wer sich in diesem Dunstkreis aufhält, der führt gewiss ein spannendes Leben – zumindest hat er einen aufregenden Beruf. Aus dieser Überzeugung heraus, werden alle Einblicke in diese Profession gern gelesen oder gar verschlungen.

 

Ein neues Highlight war in den vergangenen Wochen die Diskussion um das Verhalten des FDP Politikers Rainer Brüderle gegenüber einer Redakteurin des Stern. Abseits der Diskussion um Sexismus in Deutschland, ging es auch um den Umgang von Politikern mit Journalisten.  Da konnte man lesen von Abendveranstaltungen, die nicht selten gefolgt werden von einem lockeren Get-together an der Hotelbar. Dort geht es angeblich entspannter zu und wenn sich die Reihen zu später Stunde lichten, der Alkohol die Zungen gelockert hat, dann erfährt der Hauptstadt-Korrespondent oder die -Korrespondentin eben auch einiges, was auf Pressekonferenzen nicht angesprochen wird.

 

So interessant diese Einblicke in den Arbeitsalltag auch sein mögen, sie eignen sie sich leider nicht um hernach pauschalisiert zu werden. Die Arbeit der Vielzahl der Journalisten in Deutschland (und wahrscheinlich auch an anderen Orten der Welt) sieht eben nicht so aus, dass er/sie ständig im Gefolge von wichtigen Menschen unterwegs ist. Auch bekommt der Redakteur seine Informationen nicht nebenbei bei einem Glas Hochprozentigem „gesteckt“, er verbirgt sich auch nicht im Kofferraum einer Limousine um investigativem Journalismus nachzugehen. Und bei allem, was im Zusammenspiel von Presse und Politik vielleicht funktionieren mag – es lässt sich nicht auf andere Bereiche übertragen.

 

Von daher waren die Einblicke, die wir den Herrenwitzen des Herrn Brüderle zu verdanken haben, sicherlich für manchen spannend. Gleichzeitig warte ich aber schon jetzt darauf – weil ich es bereits erlebt habe – dass mich einer meiner Kunden fragt, ob ich nicht auch die eine oder andere Story bei einem Redakteur platzieren könne, wenn ich abends mit ihm oder ihr etwas trinke gehe. Denn so laufe das doch mit der Presse, oder?

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15.02.2013

Sehen wir uns auf der CeBIT?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein. Ich betreue aktuell keine Unternehmen, die auf der CeBIT vertreten sein werden und für Kaltakquise bin ich einfach nicht der Typ. Auf dem Laufenden halten kann man sich auch aus der Ferne  –  apropos, Hannover ist einfach zu weit weg.

 

Aber für PR taugt so eine Messe eigentlich immer: Wenn man tatsächlich Aussteller ist, sollte man früh beginnen jede Pressemitteilung mit einer Dachzeile zu versehen, in der man ankündigt, in welcher Halle und auf welchem Stand man zu finden sein wird. Das kann man dann bei jeder Mitteilung tun – ob sie inhaltlich nun etwas mit der Messe zu tun hat oder nicht.

Und ob eine Meldung wirklich Bezug zur Messe hat ... nunja, das bestimmen wir selbst. Ein Produkt oder eine Dienstleistung ist dann neu, wenn wir die entsprechende Verlautbarung dazu mit einem aktuellen Datum versehen. Außer ein oder zwei Ihrer Kunden weiß noch niemand etwas von der Innovation, die vor einigen Monate schon marktreif war? Fein, dann ist es hiermit eine Messe-Neuigkeit! Der Bezug ist hergestellt. Wer will das Gegenteil beweisen ...

 

Interviews für die Messe vereinbaren:  Amüsant ist meist, dass man den richtigen Zeitpunkt für solch einen Anruf in der Redaktion eigentlich nie trifft. Die eine Gruppe von Redakteuren hat ihre Messe-Planung bereits abgeschlossen und nun keine Zeit mehr für weitere Gespräche. Die zweite Gruppe ist eher verwundert über den frühen Anruf, denn mit der Terminplanung hat man noch gar nicht begonnen. Wiederum andere planen gar nicht und wollen sich nicht festlegen – man käme dann eventuell spontan am Messestand vorbei.

Nun gut, einige Termine bekommt man aber eigentlich immer hin.

 

Erfolgversprechend ist auch die Vielzahl an Magazinen, die rund um die Messe berichten. Ja, nicht „zur Messe“, sondern tatsächlich rund herum. Schließlich gibt es eine Messe-Vorberichterstattung, ein Messeheft und dann noch die Messe-Nachlese. Ein Schelm wer denkt, dass Überlegungen der Anzeigenabteilung dahinter stecken.

So oder so, wer reichlich Material hat, bekommt hier die Chance, es auch zu verwerten.

 

Pressemappen sind auch ganz wichtig! Die Konfektionierung ist etwas für Volontäre oder Praktikanten, Bildmaterial nicht vergessen ... oder doch alles lieber rein digital? Auf einem USB-Stick, den man gleich als universelles Give-Away auf der Messe nutzen kann? Nicht sonderlich einfallsreich, aber die Mitarbeiter der Müllentsorgung wird es freuen, denn die Zahl der Pressemappen, die sich in den Mülleimern auf dem Messegelände befinden, ist doch enorm. Die eine wichtige Meldung (die mit der Messe-Neuigkeit, die ja eigentlich gar keine ist) steckt sich der interessierte Redakteur vielleicht noch ein – der Rest fällt eben dann doch der Müllverbrennung zum Opfer, ungelesen.

 

Es gäbe noch so viel zu tun auf einer Messe. Gut, dass Hannover so weit weg ist – in diesem Jahr zumindest. Aber wir sehen uns dann ja auf der bauma 2013.

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06.02.2013

Völlig unabhängig

In der PR bedient man sich so mancher Instrumente, um für den Kunden etwas zu erreichen. Geht es darum Kompetenz und Erfahrung zu zeigen, dann sind Fachartikel und Anwenderberichte ein gern eingesetztes Mittel. Der Kunde meines Kunden wird dann zum „Anwender“, der natürlich ein glücklicher und zufriedener sein sollte, denn dann kann man darüber berichten, wie das Produkt oder die Dienstleistung meines Kunden zu diesem Glück des Anwenders beigetragen hat.

 

So weit so gut. Ein Anwender ist meist schnell gefunden, ein zufriedener auch und bereitwillig stimmen diese Anwender einem Bericht zu – schließlich ist es ja auch ein wenig kostenfreie Öffentlichkeitsarbeit für sie. Normalerweise findet sich auch ein Medium, dass einen fertigen Anwenderbericht gerne abdruckt. Die Kunst des PR-Beraters besteht nun lediglich darin, sich an ein paar meist unausgesprochene Regeln zu halten. Zum Beispiel darf die Firma, die für eine Lösung beim Anwender gesorgt hat, nicht zu sehr über den Klee gelobt werden. Allein der Verzicht auf viele beschönigende Adjektive kann hier schon helfen – kurz gesagt: kein Marketing-Geblubber.

 

Manche Redaktionen trauen PR-Beratern aber grundsätzlich nicht zu, dass diese auch neutral schreiben könnten. Schließlich würden diese von einem Unternehmen für schöne Worte bezahlt.
So passierte es neulich, dass mir ein Chefredakteur lächelnd klar machte, dass er gerne über einen Fachartikel mit mir reden, er aber – ich zitiere – „niemals“ einen Anwenderbericht von einer PR-Agentur annehmen würde. Schließlich sei man es den Lesern ja schuldig, unabhängig zu bleiben in der Berichterstattung.

 

Nur einen Tag später kontaktierte mich eine Dame aus eben diesem Verlag und bot mir an, die soeben empfangene Pressemitteilung gerne im nächsten Heft zu berücksichtigen – aber nur gegen gleichzeitige Platzierung einer Anzeige meines Kunden ...

 

Ich glaube, ich schreibe demnächst einen Anwenderbericht über PR-Agenturen und Verlage – natürlich völlig unabhängig.

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